Mind the Tech – Cyber, Crime, Gesellschaft

Mind the Tech – Cyber, Crime, Gesellschaft

John McAfee: Vordenker wider Willen

John McAfee: Vordenker wider Willen

Zwischen Lichtgestalt und Mordverdacht: Zeit seines Lebens war John McAfee ein Mann der Extreme. Einerseits prägte er die IT-Welt mit seiner gleichnamigen Antivirensoftware wie kaum ein anderer, andererseits zettelte er permanent Kontroversen und Konflikte an, inszenierte filmreife Fluchten. Als McAfee am 23.06.2021 in einer Gefängniszelle in Barcelona tot aufgefunden wird, endet die Geschichte eines wahren Antihelden. In der aktuellen Folge zeichnen wir die wesentlichen Eckpunkte seines Lebens nach – und eines können wir jetzt schon verraten: Es wird kein Spaziergang.

Zwischen Heldentum und Aluhut

Wie schnell man von einer Leistungsträgerin zu einer Persona Non Grata werden kann, zeigt der Fall einer Datenanalystin der Gesundheitsbehörde von Florida aus dem Jahr 2020. Rebekah Jones, zum Zeitpunkt des Geschehens 30 Jahre alt, soll ihren Aussagen zufolge Zahlen manipulieren – ausgerechnet auf dem offiziellen Corona-Transparenzportal, über das sich die Bevölkerung über den Verlauf der Pandemie informiert. Als sie sich weigert, verliert sie ihren Job. Danach beginnt eine öffentliche Auseinandersetzung, bei der im Laufe der Zeit die dunklen Seiten von Rebekah Jones zum Vorschein kommen. Heldin oder Hochstaplerin? Diese Frage drängt sich immer weiter auf und lässt so manchen ratlos zurück. Rebekah Jones: Ein Fall, bei dem Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Aktivismus eine toxischen Kombination ergeben.

Wenn Worte zur Waffe werden

Sprache ist der Schlüssel zur Kultur. Wer sie beherrscht, kann sich gesellschaftlich einbringen. Seine Meinung vertreten, an Debatten teilnehmen, Demokratie leben. Sprache ist also ein mächtiges Tool – seit dem Siegeszug der sozialen Medien sogar noch mächtiger geworden. Denn hier trifft Sprache auf Algorithmus und auf Masse. Und längst ist klar, dass Sprache im Netz Stimmungen prägen kann. Stimmungsmache ist die andere Seite der Medaille. Nicht erst seit Corona, aber seitdem ganz besonders, tobt in den Kommentarspalten der sozialen Medien ein regelrechter Krieg. Provokationen, Beleidigungen und Drohungen fluten unsere Feeds. Sie richten sich gegen Personen, die einer oder mehreren Gruppen zugeordnet werden können oder gegen Menschen, die sich für diese Personen oder Gruppen einsetzen. Hate Speech nennt sich ein Trend, den keiner braucht, der aber auf dem besten Weg ist, seinen festen Platz in der Gesellschaft zu behaupten.

1 Jahr Mind the Tech: Was bisher geschah

Als "Mind the Tech – True Crime aus dem Internet" im Mai 2020 als eines von vielen Corona-Babies das Licht der Welt erblickte, konnte wohl niemand ahnen, wo das Format zwölf Monate später stehen würde. Ganz besonders die Macherinnen nicht. Aus dem kleinen Wonneproppen ist ein agiles Kleinkind mit festem Stand geworden, bereit, in ein neues Lebensjahr zu starten. Doch bevor neue Hacks, Betrügereien, Datenleaks oder Antitrends aus der digitalen Welt auf den Tisch kommen, gilt es für einen kurzen Moment innezuhalten: Was ist aus den bereits besprochenen Themen geworden? Gibt es neue Erkenntnisse oder Entwicklungen? Haben wir uns irgendwo geirrt bzw. in unseren Prognosen total daneben gelegen? In der heutigen Episode kommt noch einmal alles auf den Tisch: Aktuelle Zahlen und Erkenntnisse, aber auch alte Emotionen lassen wir zu. Ein Medley der besonderen Art.

Liebe, Leaks und Lügen

Wenn eine hochentwickelte Technologie auf eine fragwürdige Absicht trifft, kommt am Ende selten etwas Gutes dabei heraus. So ist das auch mit Deepfakes, die in ihrer fast schon Perfektheit kaum Raum für Zweifel lassen. Als Face Swaps liefern sie Spaß für den Moment. Doch wenn die Ex-Freundin plötzlich Protagonistin in einem (Rache)Porno ist, hört der Spaß auf. Lässt sich diese Entwicklung, die im Windschatten der Künstlichen Intelligenz immer mehr Raum einnimmt, überhaupt noch aufhalten? Und ist das Kind einmal in den Brunnen gefallen: Wie kann man sich wehren? Zu guter Letzt: Können wir den Nachrichten mit der Angst vor Deepfakes überhaupt noch trauen? Diese und weitere Fragen kommen in der aktuellen Folge von "Mind the Tech – True Crime aus dem Internet" auf den Tisch.

Nackte Tatsachen

Ein kleiner Klaps auf den Po, ein züchtiger Spruch, Bewertung von Äußerlichkeiten: Eine klassische Szene aus der Kultserie "Mad Men", die die männerdominierte Werbewelt der 1960er-Jahre darstellt. Traurig, aber wahr: Der Alltag von Frauen in vielen der aufstrebenden Tech-Startups stellt sich dieser Tage kaum anders dar – auch, wenn viele das nicht wahrhaben wollen. Studien und persönliche, zum Teil schwer verdauliche Berichte von Frauen in unzähligen Foren bestätigen dies allerdings. Wie kann es sein, dass in einer Branche, die einst eine starke weibliche Handschrift trug, Sexismus zu einem echten Problem geworden ist, das immer öfter auch zu juristischen Auseinandersetzungen führt? In dieser Folge gehen Catrin und Isa dem Problem auf den Grund und liefern Beispiele, die Hoffnung machen.

Blut und Spiele

Auf den ersten Blick scheint das heutige Thema ja ein bisschen von unserem eigentlichen Claim abzuweichen: True Crime aus dem Internet. Doch streng genommen hat es sehr viel damit zu tun, denn heute verhandeln wir einen Fall, der im Fahrwasser des Silicon Valley und seiner zum Teil völlig überhypten Internet-Startups schwimmt: Den kometenhaften Aufstieg und tragischen Niedergang des Biotech-Unternehmens Theranos. 2003 von der gerade mal 19-jährigen Studienabbrecherin Elizabeth Holmes gegründet, sollten die Gesetze der Labordiagnostik von Grund auf neu geschrieben werden – so die Vision. Eine Vision, die am Ende mehr Enttäuschungen als Chancen hervorbrachte und nicht zuletzt ein Millionengrab für zahlreiche Investor*innen bedeutete.

Das Internet ist böse und macht impotent

Auf jede Wahrheit stößt mindestens eine Verschwörungstheorie, scheint es. Auch das Internet und und alles, was sich in seinem Dunstkreis bewegt, bleibt nicht davon verschont. Was ist dran an Behauptungen wie "Im Darknet versammeln sich nur kriminelle" oder "Bill Gates will uns alle chippen"? Wir gehen neun populären Mythen auf den Grund und erklären, wie sie entstanden bzw. zu interpretieren sind. Manche davon sind witzig und/oder völlig verrückt und wiederum andere sind einfach nur zum Kopfschütteln. Und wer sich mit uns auf die "dunkle Seite des Internets" traut, dem bieten wir am Ende der Folge einen ganz besonderen Service an.

Network-Marketing: Die Pest im Web

Wer kennt sie nicht, diese Anzeigen im Internet mit ihren großen Versprechungen? Oder Clips, in denen gut gelaunte Menschen einem etwas vom ultimativen Lifestyle erzählen, natürlich bei minimalem Arbeitseinsatz. Verheißungen wie diese suggerieren, dass es eine Formel zum Glück gibt, die für jeden zugänglich ist. Und die hat einen Namen: Network-Marketing. Auch bekannt als Multilevel-Marketing, Netzwerk-Marketing – oder für die, die es etwas seriöser mögen: Strukturvetrieb. Die Idee dahinter: Waren und Dienstleistungen werden nicht auf klassischem Wege in Ladengeschäften oder Online-Shops verkauft, sondern über den persönlichen Kontakt, vornehmlich bei so genannten Verkaufsparties. Doch seit geraumer Zeit wird diese Idee von ihren eigenen Akteuren zunehmend unterwandert. Längst geht es nicht mehr darum, Produkte zu vertreiben. Nein, es geht um das Anwerben neuer Vertriebspartner. Und dafür werden die Regeln des Business bis zur Schmerzgrenze gedehnt, zunehmend auch gebrochen. Dahinter steckt eine Milliarden-Maschinerie, die immer mehr Menschen anlockt – und sie oft auch direkt in den Ruin treibt. Dennoch wächst die Branche unentwegt weiter. Und mit ihr auch die dunklen Machenschaften im Hintergrund. Druck, falsche Versprechungen und Betrug sind längst keine Ausnahmeerscheinungen mehr. Im Gegenteil, sie werden immer mehr zum Standard.

Hacken für den KGB

Als am 1. Juni 1989 eine verkohlte Leiche in einem niedersächsischen Waldstück gefunden wird, markiert dies den Tiefpunkt eines später in die Geschichtsbücher eingehenden Cyber-Spionagefalls. Der Tote ist Karl Koch, ein 23-jähriger Hacker aus Hannover, der mit anderen für den KGB in westliche – vornehmlich US-amerikanische – Computersysteme eingebrochen ist. Zwischen 1985 und 1989 hat die Gruppe sensible Daten unter anderem von der NASA, dem Militär und dem Pentagon abgegriffen und in den Osten geschafft. Gleichzeitig fällt dem jungen Übergangsadministrator Clifford Stoll Ungereimtheit auf: Im Abrechnungssystem seines Arbeitgebers, dem Berkeley National Laboratory, werden Kosten in Höhe von 75 Cent ausgewiesen, die sich keinem Nutzer zuordnen lassen. Was mit simplen Berechnungsformeln beginnt, entwickelt sich binnen kürzester Zeit zu einer echten Verfolgungsjagd im digitalen Raum. Denn schnell wird klar: Hier wird nicht nur Rechenzeit gestohlen, hier sind Kriminelle am Werk. Der heute als Internetvisionär bekannte Stoll wird später einer der wichtigsten Zeugen bei der Aufarbeitung eines Datendiebstals, der weitgehend als KGB-Hack bekannt ist.